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Betonschlucht

Unten in der Schlucht breitet sich Beton aus. Harter, harter Beton. Hier und da schwirren ein paar Skater herum und oben am Rand steht Katja, beide Beine auf einem Skateboard. Das hintere hält das Brett an der Kante, das vordere hochgestellt schwebt mit der Spitze des Bretts über dem Abgrund. Kurz wird sie noch gehalten, dann lässt sie los, tritt fest nach vorne und stürzt sich hinab, mit dem Skateboard unter den Füßen in die Betonlandschaft.

Mal wieder mutig sein, wollte sie. Und mit Mitte vierzig noch einmal Skaten lernen. »Na und dann stehst du da oben und schaust in diese Schlucht und sollst dich da runterstürzen.« Katja lacht, wenn sie erzählt. Ihre Augen leuchten, ihr ganzes Gesicht strahlt und erzählt vom Stolz der Überwindung.

Seit vier Wochen skatet sie mit ihrem Sohn am Wochenende. Als sie sich zum ersten Mal traut in die Bowl — in der Skatersprache ist alles auf Englisch, erklärt sie — zu droppen, hat sie nur zwei kurze Übungsläufe hinter sich.

Dann wagt sie sich an den hohen Abgrund und stürzt. Beim ersten Versuch und beim zweiten. Aber darum geht es: »Skateboarden hat mich gereizt, weil das nicht so leicht ist,« sagt die Journalistin. Früher war sie beim Vielseitigkeitsreiten häufiger mutig, doch dann kamen die Verpflichtungen sie durfte einfach nicht mehr kaputt gehen. Aber das Skaten muss man üben. Deshalb wartet auf Katja nächste Woche wieder die Betonschlucht.

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